MOVE BERLIM
Das erste Festival des zeitgenössischen brasilianischen Tanzes in Berlin

  Seit den 70er Jahren hat in der Tanzkultur Brasiliens eine Suche nach der eigenen kulturellen Identität eingesetzt, die mit dem Ende der Militärdiktatur mit erstarkendem Selbstbewusstsein eigene Ausdrucksweisen entwickelt hat. Dabei hat die Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition und den vorgefundenen Tanzformen von Region zu Region unterschiedliche Tanzsprachen hervorgebracht und ein Themenspektrum, das sich von überlieferten Formen der Volkskultur bis zum Lebensraum der hochtechnisierten Millionenstädte des Südens erstreckt.

Zum ersten Mal wird in Berlin die Tanzszene Brasiliens in der Vielfältigkeit und Komplexität dargestellt, die sich seit der Wieder-Demokratisierung Mitte der 80er Jahre entwickelt hat. In Brasilien haben sich die Kulturen dreier Kontinente - die indigene, die europäische und die afrikanische - auf eine Weise verbunden, in der sie zu etwas Neuem verschmolzen sind, das nirgends sonst so deutlich fassbar wird wie im Tanz. In der Fokussierung auf die verschiedenen ästhetischen, ethnischen und regionalen Ansätze bietet das Festival dem deutschen Publikum die Gelegenheit, jenseits der eurozentristischen Vereinnahmung eines "exotischen" Brasilien eine der vitalsten zeitgenössischen Tanzszenen der Welt in Aufführungen, Workshops, Vorträgen und Diskussionen kennen zu lernen und ein vielseitigeres Bild von Brasilien wahrzunehmen. Außerdem verlagerten wir das Augenmerk von den traditionell im Rampenlicht stehenden "kulturschaffenden" Zentren hin zu den peripheren Zentren und arbeiten daran, die zuständigen Kulturpolitiker für ihre Verantwortung diesen einzigartigen kulturellen Entwicklungen gegenüber zu sensibilisieren.

Zweieinhalb Jahre gingen von der Idee bis zu ihrer Realisierung ins Land. Der Rhythmus des brasilianischen Tanzes infizierte die deutschen Partner: den Hauptförderer Hauptstadtkulturfonds, das Theater am Halleschen Ufer, das Hebbel Theater, die Tanzfabrik, die Berliner Kulturveranstaltungs-GmbH und alle weiteren Unterstützer und Mitarbeiter. Und Brasilien als ein Land, das zu tanzen versteht, hat sofort reagiert: wir freuen uns sehr, dass Gilberto Gil, der Kulturminister Brasiliens, die Schirmherrschaft für dieses Festival übernommen hat und Sérgio Mamberti, Staatssekretär für darstellende Künste und Musik - und einer der bekanntesten Schauspieler Brasiliens -, das Festival eröffnen wird, um MOVE BERLIM als einen relevanten Schritt in der weiteren Entwicklung des deutsch-brasilianischen Kulturaustauschs zu kennzeichnen. Wir bauen gemeinsam darauf, dass viele weitere Schritte folgen werden in dieser Sprache, die keiner Übersetzung bedarf.

Sie alle sind herzlich eingeladen, mit uns und mit all Ihren Sinnen zu tanzen. Brasil MOVE BERLIM!

Wagner Carvalho, Künstlerische Leitung
Björn Dirk Schlüter, Co-Leitung


Grußwort des Schirmherrn

Anders als die mediterranen Länder, durch die Europa sich nabelschnurartig mit Brasilien verbindet, freundet sich Deutschland mit uns durch ein im Verlauf von Jahrhunderten unserer Kolonisierung geknüpftes Band an. Von Prinzessin Leopoldina bis zum Goethe-Institut, vom Maler Rugendas bis zu den aufrechten Einwanderern im Süden des Landes vergingen Jahrhunderte für den Aufbau einer deutschen Präsenz unter uns.

Heute festigt Brasilien nun in umgekehrter Richtung seine Präsenz im Land Beethovens: es wirft den Ball zurück in diesem immer anregenderen Spiel zwischen beiden Völkern und Kulturen. Das Festival Move Berlim in dieser großartigen deutschen Stadt wird sicherlich ein Markstein im kulturellen Austausch unserer Völker sein. Eine neue Gelegenheit, weitere gemeinsame Schritte in diesem Tanz unseres gemeinsamen Zusammenlebens zu üben.

Gratulation zu diesem Ereignis und eine schöne Zeit!

Gilberto Gil, Kulturminister von Brasilien
Schirmherr des Festivals